Leistungsschutzrecht … und was daraus geworden ist – ein Kommentar

Als die Verlagslobbyisten im vergangenen Jahr immer und immer wieder gebetsmühlenartig die Schaffung eines Leistungsschutzrechts für Presseerzeugnisse forderten, war Experten und Außenstehenden von vornherein klar, dass es sich dabei um einen an Dämlichkeit kaum zu überbietenden Stuss handelt und einzig der plumpe Versuch war, ohne Gegenleistung etwas von den Umsatzmilliarden des Suchmaschinenprimus Google abzubekommen.

Der Vergleich mit dem Taxifahrer, der den Restaurantbetreiber dafür bezahlen soll, dass er ihm Gäste bringt, war ein passendes und vielbemühtes Bild. Das Unrechtsempfinden der Verlage, die sich gern darüber echauffierten, dass Google die von den Verlagen selbst zur Verfügung gestellten Artikel anteaserte und so Werbeumsatz generierenden Besucher auf die Seiten der Verlage spülte, fußte dabei von vornherein auf irrationalen Vorstellungen. Eine solch unverfängliche und für alle Seiten profitable Symbiose aus reiner Profitgier zu zerschlagen, zeugt von kaum in Worte zu fassender Dummheit. Was war falsch daran, dass die Verlage Geld verdienen, Google Geld verdient und die User die Information finden, die sie suchten?
Nun, da das Inkrafttreten des wohl dümmlichsten und offensichtlich Lobbyismus-getriebensten Gesetzes seit Beginn der Geschichtsschreibung kurz bevor steht, macht Google genau das, was alle Experten und nicht zuletzt Google im Vorfeld erklärt haben. Google stellt ein Opt-In System zur Verfügung, an dem jeder Verlag teilnehmen kann, sofern er auf die Umsetzung des Leistungsschutzrechts verzichtet. Wenn nicht? Dann eben nicht! Geld wird es von Google in keinem Fall geben.
Das bedeutet im Umkehrschluss, für alle Presseerzeugnisse, die weiterhin Besucher anlocken und damit Werbeeinnahmen erzielen wollen, wird sich nichts ändern. Sie werden nach dem teuren und nervenaufreibenden Kampf um dieses Gesetz schließlich auf dessen Umsetzung verzichten, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Wie der Springer-Verlag verfahren wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, Geld werden auch sie von Google nicht bekommen, und Besucher im Zweifelsfall auch nicht mehr.

Um das Bild des Taxisfahrers erneut zu bemühen, der sagt einfach:
„Wenn du Geld von mir willst, dafür dass ich dir Kunden bringe, kannst du das vergessen. Ich bringe dir ab sofort nur noch Gäste, wenn du ausdrücklich auf dein „Recht“ verzichtest. Ansonsten gibt es genug andere Restaurants, die sich über Kundschaft freuen.“
Was ist also von ach so gelobten Schutz des Presseerzeugnisses geblieben? Nichts außer einem Pool für Massenabmahnungen von Bloggern, die sich erdreisten, auf Zeitungsartikel zu verweisen, ohne dafür zu bezahlen. Genau das was wir dringend brauchten: mehr Unsicherheit, mehr Abmahnpotenzial, weniger Vielfalt.
Um es mit den Worten Michael Schmidt-Salomons zu sagen, die unsägliche Blödheit des Homo-Demenz hat mal wieder einen grandiosen Sieg davongetragen. Die Welt ist wieder ein bisschen dümmer als zuvor und dazu gratulieren sich die Verantwortlichen noch heute schulterklopfend.

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