Schicksal und freier Wille – Gedanken zum Osterfest

Die folgende Argumentation eignet sich nicht als Beweis der Nichtexistenz Gottes, sondern soll vielmehr ein logisches Dilemma in der Argumentation derer aufdecken, die sich Gott ausgedacht haben.

Als schicksalhaft wird im Allgemeinen ein Ereignis bezeichnet, dass unvermeidbar war, also unter allen Umständen eingetreten wäre. Ein schicksalhaftes Ereignis muss daher entweder determiniert oder prädestiniert sein. Hier entsteht ein erstes Dilemma.

Determiniertheit nämlich setzt voraus, dass es nur einen möglichen Weg gibt, wie sich Alles, also das gesamte Universum durch die Zeit entwickelt. Aus der Situation eines jeden Elementarteilchen zu einem festgesetzten Zeitpunkt, also Ort des Teilchens und der Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit (Impuls) ließe sich ein zwangsläufiger Zustand für jeden Zeitpunkt in der Zukunft und der Vergangenheit herleiten. Eine recht komplexe Berechnung, zugegeben. Mit unseren Technischen Mitteln können wir nicht einmal die Wechselwirkungen zwischen drei Teilchen berechnen. Im Universum gibt es Schätzungen zufolge 6*1079 Teilchen.

Hier jedoch gibt die Natur selbst den Spielverderber. Wechselwirkungen zwischen Teilchen lassen sich auf kleinster Ebene nicht mehr genau bestimmen und das nicht, weil wir nicht genau genug messen können, sondern weil ein Naturgesetz es verbietet. Auf elementarer Ebene kann man nur entweder Ort oder Impuls eines Teilchens bestimmen, nicht beides. (siehe Heisenbergsche Unschärferelation).

Das bedeutet aber zwangsläufig, dass es keine deterministischen Wechselwirkungen geben kann. Der einzige Weg, das Schicksal zu retten, wäre der der Prädestiniertheit, einer Art Vorherbestimmung, die eine aktive Steuerung voraussetzt.

Das bedeutet, es gäbe eine übergeordnete Größe, nennen wir sie Gott. Aber auch Gott müsste gleich eine Vielzahl von Naturgesetzen aushebeln, um diesen Job zu erledigen. Es müsste die Unschärferelation überwinden, um Ort und Impuls zu erkennen und steuern zu können und es müsste die Lichtgeschwindigkeit überwinden, um diese Informationen für alle Teilchen des Universums zur gleichen Zeit zu erheben. Den tatsächlich ließe sich bei Überwindung der Unschärferelation immer nur die Information eines Teilchen zu einem Zeitpunkt genau bestimmen. Bereits die Information des zweiten Teilchen, das ja vom ersten Teilchen entfernt ist, benötigt Zeit um zum Beobachter zu gelangen. Informationen „reisen“ maximal mit Lichtgeschwindigkeit. Das bedeutet aber, das bereits Ort und Impuls des zweiten Teilchens nicht zum selben Zeitpunkt bestimmt worden sind wie die vom ersten Teilchen. Die Information sehr weit entfernter Teilchen braucht mehrere Milliarden Jahre, um zum Beobachter zu gelangen. Lange Rede kurzer Sinn, ein Gott müsste über der Lichtgeschwindigkeit stehen.

Gestehen wir Gott also die Fähigkeit zu, grundlegende Naturgesetze zu umgehen und das Universum steuern zu können, kommen wir in ein weiteres Dilemma.

Der gesteuerte Determinismus würde aber per Definition alle Elementarteilchen betreffen, damit auch diese, die unser Gehirn bilden und für unseren Willen verantwortlich sind.

Das bedeutet, gäbe es Schicksal, kann es keinen freien Willen geben und umgekehrt, hätte der Mensch einen freien Willen, kann es keine Prädestiniertheit, keinen Determinismus im Universum geben und damit keine „schicksalhaften“ Ereignisse.

Sieht blöd aus, für die Religionen, hier besteht argumentativer Nachbesserungsbedarf.

Aber auch Gott bekommt ein ernsthaftes Problem. Als Schöpfer des Universums ist es eine passive, außenstehende Größe, die selbst nicht Teil des Systems sein kann, da es (Gott) bereits vorher da gewesen sein muss.

Hier entsteht das dritte Dilemma. Ein passives Gott mit echtem Determinismus konnten wir bereits ausschließen, und für eine gesteuerte Prädestiniertheit muss Gott Teil des Systems werden, um es zu steuern und verlöre damit selbst den freien Willen, was wiederum eine übergeordnete Instanz voraussetzen würde, die wiederum Gott wäre. Auch dieses Dilemma lässt sich nicht auflösen, sondern nur per Definition um gehen. Gläubige Menschen sagen an dieser Stelle immer, „Gott ist allmächtig, Ihm stellt sich das Problem nicht“. Nun ja, da kann man nicht gegen an argumentieren.

Fazit: Die gleichzeitige Existenz eines allmächtigen Gottes und des freien Willens ist ein nicht aufzulösendes Dilemma. Entweder ich glaube an das Schicksal und gebe damit sämtliche Ansprüche auf einen freien Willen und eine eigenen Meinung auf oder ich glaube an meinen eigenen Verstand und gebe den Glauben an Schicksal und Gott auf.

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