Netzzensur? Gute Idee, machen wir!

Mal wieder zeigt sich, dass Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen will, in der Bekämpfung von Kinderpornographie. Obwohl, eigentlich reiten wir nicht in der KiPo-Bekämpfung voran, sondern im China-Behave-Alike-Contest. Denn die brillante Idee unserer Regierung (von der Leyen und das Schäuble) in ihrem Kontroll- und Überwachungswahn: Einfach das Internet zensieren. Wenn die Chinesen das machen, ist das böse, ein Verbrechen, ein Eingriff in die Meinungs- und Pressefreiheit, wenn Deutschland das macht, ist es gut, schützt Kinder und Menschen, eine ganze Gesellschaft.
Tatsächlich aber ist es nur ein weiterer Schritt auf der Überwachungsspirale nach oben in den Überwachungsstaat. Das Sperren von Websites ist gelinde gesagt stümperhafte Symptom-Behandlung. Aber wie so oft gesagt, hier geht es nicht um den augenscheinlichen Grund der Bekämpfung von Kinderpornographie, sondern um die Schaffung eines Zensurinstruments. Sobald diese Regelung durchgesetzt ist, können mit dem einmal geschaffenen Mittel auch andere Seiten gesperrt werden. Youporn und Redtube werden die Ersten sein, zum Schutz der Jugend unseres Landes. Dann werden Seiten mit „Just-over 18“-Inhalten folgen, wegen Anscheins-Jugendpornographie. Dann Nazi-Propaganda, eine feine Sache, weg mit dem Dreck, dann Islamisten-Websites, Terrorbekämpfung geht vor. Keiner wird sich dagegen wehren, ist doch eine gute Sache.

Die nächsten Schritte werden nicht mehr so öffentlich propagiert werden. Politische Meinungsmache jeder Art kann zensiert werden, wer will das kontrollieren? Alles, was dann nicht zu EU-Recht und deutschen Vorschriften kompatibel ist, wird unzugänglich gemacht werden. Nach Angaben von SPD-Internet-Experte Jörg Tauss wollte bereits NRW-Regierungspräsident J. Büssow bis zu 6 Mio. Internetseiten aus irgendwelchen Gründen unzugänglich machen. Dagegen sind die Chinesen Waisenknaben!

Wird die Zensur der Erreichbarkeit von Kipo-Seiten in Deutschland irgendwelche Kinder vor Übergriffen Pädophiler bewahren? Wohl kaum! Oder glauben die Damen und Herren in Berlin wirklich, man könnte zwei große Volksparteien abschaffen, indem man www.spd.de und www.cdu.de sperrt?  Die Hersteller dieser Machwerke (jetzt wieder der Kinderpornos) sitzen überall auf der Welt, dort ist auch deren Markt. Jeder halbwegs versierte Nutzer kann heute bereits per VPN in Russland oder über freie Netzwerke auf solche Seiten zugreifen und die deutschen Behörden bekommen nichts davon mit.

Aber wie gesagt, darum geht es nicht, die Gründe für diese Netzzensur sind die Schaffung eines Internetzensur-Instruments und der moralischen Genugtuung – „Aus den Augen aus dem Sinn“. Die Folge würde ein in jeder Hinsicht gleichgeschaltetes Deutschlandnetz sein, wie es sich das MfS nicht hätte träumen lassen, das ohne jedes Risiko nur die „richtigen“ Informationen ohne Gefährdungspotenzial bereithält.

Danke Schwarz-Rot für diese Zukunft! 2009 sind Bundestagswahlen, ich hoffe die Menschen wachen endlich auf und machen ihr Kreuz nicht nur da, weil Mutti und Vati es auch immer da gemacht haben.

3 Kommentare zu „Netzzensur? Gute Idee, machen wir!“

  • Ola!

    Ich fürchte ebenfalls, dass die Regierigen ein einmal zur Verfügung gestelltes Machtinstrument nicht wieder freiwillig hergeben – und Zensur (noch dazu mit legalem Anstrich) ist eines der mächtigsten Werkzeuge.
    Allzu verführerisch ist die Möglichkeit unliebsame Themen, Diskusssionen oder Personen kalt zu stellen.

    Schlimmer noch. Wir “normale Netzbenutzer” tragen sogar ein Gutteil dazu bei, dass eine Netzzensur überhaupt möglich ist. Ich denke da an Sprüche wie “was ich nicht bei Google finde, existiert nicht”…

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  • admin:

    Genau meine Meinung, ist dasselbe wie mit den Maut-Daten, die sind nur zur Erfassung der Maut gedacht … und evtl. zur Terrorabwehr … und bei Verfolgung schwerer Straftaten, Sie wollen doch nicht, dass ein Mörder entkommt, obwohl wir ihn verfolgen könnten, oder? … oder Steuerhinterzieher, Falschparker … jeder

  • Überwachungs- Zensur- Kontroll- Militärstaat. Alles unter dem Deckmantel des Schutzes von Irgendwem. Schon mal darauf geachtet, wie Ex-Zollbeamte an Bahnhöfen in Großstädten gekleidet sind? Sie sehen aus wie Militär. Ich mache mir jedes Mal Gedanken, ob es tatsächlich ausschließlich dem Schutz dient. Natürlich brauchen wir leidergottes ein Polizeiaufgebon an großen Bahnhöfen, wenn sie jedoch aussehen wie Soldaten, gewöhnt man sich nach und nach an deren Dasein, und schon bald kann man diese durch echte austauschen. Ich behaupte es würde dann niemanden mehr stören. Erst die Bahnhöfe, dann die Innenstädte und dann überall? Ok, es ist ein worst case szenario, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass auf vielen Ebenen dieses Landes ganz laaaangsam auf solche Dinge hingearbeitet wird.

    Cheers

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